Reinraumqualifizierung und Validierung des Monitoringsystems für Umgebungsbedingungen

Die Pharmabranche boomt. Dies führt dazu, dass viele Unternehmen ihre Produktion durch die Eröffnung dezentraler Produktionsstätten ausweiten. Die grösste Herausforderung dabei stellt die Erfüllung sämtlicher behördlicher Auflagen für den Bau eines Reinraums dar. Die Planung eines neuen Reinraums hat erheblichen Einfluss auf die Produktqualität, und zahlreiche Reinraumanforderungen, beispielsweise an das Umgebungsmonitoring, fliessen in das Design, den Bau und den Betrieb ein.

Reinraumqualifzierung

Da in Reinräumen steril produziert wird, gelten strenge Massnahmen zur Kontrolle des Luftstroms, der Arbeitsabläufe und des Personalflusses. Sie gewährleisten eine minimale Kontaminierung des Raums. Reinraumanforderungen umfassen jedoch mehr als lediglich das Monitoring von Umgebungsbedingungen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität. Sie beinhalten auch die Qualifizierung von Geräten und Prozessen. Diese Verfahren erfordern im Unternehmen einen hohen Einsatz von Ressourcen und sollten daher bereits bei der Planung berücksichtigt werden.

GAMP 5

Die GAMP 5-Leitlinien unterstützen Pharmaunternehmen bei der Validierung ihrer Computersysteme, indem sie den Nachweis erbringen, dass der geplante Prozess seinem Zweck entsprechend funktioniert. Die Qualifizierung ist Teil des Validierungsprozesses, bei dem die vorgesehene Funktionalität eines Systems oder einer Anlage überprüft wird.

Während sich die Qualifizierung auf die Mitarbeitenden, die Anlagen und die Systeme bezieht, liegt der Schwerpunkt der Validierung auf dem Prozess.

Was bedeutet GAMP?

GAMP steht für Good Automated Manufacturing Practice. Der Leitfaden bietet einen Rahmen für die risikobasierte Validierung von Computersystemen. Dem GAMP-Modell folgend wird ein Computersystem entsprechend seinem Verwendungszweck und seiner Komplexität bewertet und klassifiziert. Im neuesten GAMP-Ansatz veranschaulicht ein V-Modell-Diagramm die aufeinanderfolgenden Schritte der Systemvalidierung. Es enthält die für ein bestimmtes Computersystem definierten Spezifikationen und Tests, die in ihrer Gesamtheit den Verifizierungsprozess darstellen.

GAMP ist nicht nur ein Instrument, das Ihnen die Einhaltung von Vorschriften erleichtert und gewährleistet. Es kann auch dazu genutzt werden, den Umfang Ihrer Tests zu definieren.

Was bedeutet DQ?

Der erste Schritt im Validierungsprozess eines Reinraums ist die Designqualifizierung (DQ). Sie liefert den dokumentierten Nachweis, dass das Design der Produktionsstätte, der Systeme und der Anlagen für die Reinraumanforderungen geeignet sind. Die wichtigste Massnahme ist zu prüfen, ob der Reinraum den strukturellen Anforderungen genügt. Sind ausreichend Kapazitäten vorhanden? Gibt es entsprechende Gestaltungselemente für einen effizienten Arbeitsablauf und die Vermeidung von Kontaminationen? Es muss somit geprüft werden, ob das Grundrisskonzept, die Verbindungskorridore und die Belüftungssysteme den Standardanforderungen an einen Reinraum entsprechen.

Was bedeutet IQ?

Sobald DQ und Installation abgeschlossen sind, muss die Installationsqualifizierung (IQ) bestätigen, dass die Installation mit den festgelegten Benutzeranforderungen übereinstimmt. Für eine praktische IQ benötigen Sie die Datenblätter alle Geräte und Anlagen, Installationsleitfäden und technisches Personal, das den Vorgang überwacht. Ziel ist es, Installationsanweisungen mit den Installationsprotokollen zu vergleichen. Auf diese Weise lassen sich mögliche Fehler erkennen, die bei der Inbetriebnahme des Reinraums eine Herausforderung darstellen könnten.

Was bedeutet OQ?

Der Prozess der Funktionsqualifizierung (OQ) umfasst die Identifizierung und Überprüfung von Geräten, Anlagen und Systemen unter Worst-Case-Szenarien. Im ersten Schritt wird die Höchsttemperatur eingestellt und beobachtet, wie lange es dauert, bis sich die Raumtemperatur normalisiert. Darüber hinaus können Sie ein Worst-Case-Szenario für die Kontamination von Mitarbeitenden aufstellen und beobachten, wie lange es dauert, bis das System die kontaminierten Bestandteile beseitigt hat.

Was bedeutet PQ?

Der Prozess der Leistungsqualifizierung (PQ) beweist, dass der Reinraum und alle zugehörigen Geräte und Anlagen unter normalen Betriebsbedingungen und bei der vorgesehenen Beanspruchung wie erwartet funktionieren. Der Simulationsprozess beginnt damit, dass der Reinraum auf normale Bedingungen eingestellt wird, vorzugsweise bei einer Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent und einer erhöhten Arbeitsbelastung. Anschliessend können Sie die Leistung der Anlagen testen, den Kontaminationsgrad überwachen und die Effizienz der Arbeitsabläufe und des Personalflusses überprüfen.

Validierung des zentralen Monitoringsystems

Jegliche Verunreinigungen in einem Reinraum können zu Abweichungen bei der Produktqualität führen und sich möglicherweise auf die Prozessergebnisse auswirken. Durch das Umgebungsmonitoring können Sie Bereiche des Prozesses stichprobenartig überprüfen, um sicherzustellen, dass sie innerhalb der festgelegten Parameter arbeiten.

Jede Lösung für das Umgebungsmonitoring im Reinraum sollte einer Validierung unterzogen werden, um nachzuweisen, dass das System tut, wofür es vorgesehen ist.

Autonome Monitoringsysteme ersetzen kostengünstige manuelle Sensoren. Über ein zentrales System können Sie alle Sensoren in ein zentrales Dashboard integrieren und so alle Daten unter einem Dach zusammenfassen. Hierdurch entfallen manuelle Aufgaben wie die Aktivierung und die Rückstellung der Sensoren sowie die Datenerfassung. Ausserdem profitieren Sie von den Vorteilen einer automatisierten und nahtlosen Datenerfassung, Datenverteilung und Datenanalyse.

Was umfasst ein Monitoringsystem?

Ein Monitoringsystem ist innerhalb einer sterilen Produktionsstätte ein wichtiges Instrument zur Erfüllung der Reinraumanforderungen und zur Einhaltung der Vorschriften. Das System ermöglicht es, die vorherrschenden Umgebungsbedingungen zu protokollieren und so die Einhaltung der gesetzlichen Normen zu belegen. Ausserdem kann ein Monitoringsystem Abweichungen von den vorgegebenen Bedingungen protokollieren und Alarme auslösen, um Gegenmassnahmen einzuleiten. Mit Hilfe eines Umgebungsmonitorings können Sie Produktverluste vermeiden und die Prozesseffizienz und Produktqualität verbessern.

Die Systemvalidierung gewährleistet Genauigkeit, Zuverlässigkeit, gleichbleibende Leistung und die Fähigkeit, ungültige oder veränderte Datensätze zu identifizieren.

Sie benötigen ein Monitoringsystem für Ihren Reinraum? Sehen Sie sich das an!

Erhältlich sind drahtlose und kabelgebundene Systeme.

Erfahren Sie mehr
Sie benötigen ein Monitoringsystem für Ihren Reinraum? Sehen Sie sich das an!

Zur Systemhardware gehört jedes programmierbare Gerät, das in einem qualitätsbezogenen Prozess eingesetzt wird. Eine computergestützte Systemvalidierung muss auch eine Softwarevalidierung umfassen, die den dokumentierten Nachweis erbringt, dass die Software entsprechend dem Design und den Benutzeranforderungen funktioniert. Die Identifizierung und Beseitigung von Softwarefehlern ist Teil der Softwarevalidierung gemäss CFR 21 Part 11. Der GAMP-Ansatz verlangt, dass jedes Monitoringsystem die Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen sicherstellt.

Die Kalibrierung der Sensoren ist für Monitoringsysteme unerlässlich, da die Sensoren mit der Zeit ihre Genauigkeit, Empfindlichkeit und Präzision verlieren. Daher gehört auch die Kalibrierung zur Validierung.

Service und Kalibrierung vor Ort

Sie sind auf der Suche nach Vor-Ort-Service und Vor-Ort-Kalibrierung? Bei uns sind Sie richtig!

Mehr erfahren
Service und Kalibrierung vor Ort

Was sind die Anforderungen?

Die Dokumentation ist eine wesentliche GMP-Anforderung in jedem Validierungsprozess. Ohne eine genaue und zuverlässige Dokumentation ist es unmöglich, Compliance nachzuweisen. Die Dokumentation umfasst User Requirement Specifications, aus denen der vorgesehene Verwendungszweck des Systems hervorgeht.

Die Anforderungen an ein System variieren jedoch abhängig von seiner Nutzung und Komplexität. Je komplexer die Anforderungen an ein System sind, desto strengere Auflagen sind erforderlich. Der Designqualifizierungsprozess berücksichtigt die User Requirement Specifications und prüft vor Installation und Inbetriebnahme, ob das System effizient funktioniert.

Bei der Planung eines neuen Reinraums können Sie ein integriertes Gebäudeautomationssystem vorsehen. Bei diesen Systemen handelt es sich in der Regel um Kontroll- und Steuerungssysteme, die mit den Systemen für Klimatisierung und Luftqualität verbunden sind. Entsprechend den Anforderungen Ihres Reinraums müssen Sie für die Erfüllung der Vorschriften möglicherweise ein zusätzliches unabhängiges System für das Umgebungsmonitoring installieren. Hinsichtlich der Sicherheitsanforderungen ist es sehr wichtig, die Richtlinien der CFR 21 Part 11 zu elektronischen Signaturen einzuhalten. Hiermit können Sie nicht nur sicherstellen, sondern auch beweisen, dass Ihre Dokumentation in keiner Weise manipuliert wurde.

CFR 21 Part 11 regelt den Umgang mit elektronischen Signaturen, die die erforderliche Authentifizierung ermöglichen.

Digitale Signaturen weisen die Authentizität und Unverfälschtheit der Dokumentation nach. Ausserdem können Sie durch Passwörter und Systemzugangsbeschränkungen die Vertraulichkeit und Sicherheit von Informationen sicherstellen. Real-Time-Monitoring bietet Audit-Trail-Funktionen, die Abweichungen der Umgebungsbedingungen und deren Auswirkungen auf die Prozess- und Produktqualität aufzeigen. Auch wenn keine Dokumentationspflicht besteht, müssen Audit Trails und andere technische oder methodische Sicherheitsmassnahmen vorhanden sein, um die Zuverlässigkeit der Aufzeichnungen des Monitoringsystems zu belegen.

GxP-konformes Mapping von Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Pharmazeutische Produkte reagieren empfindlich auf Veränderungen der Umgebungsbedingungen, weshalb ein GxP-konformes Temperatur- und Luftfeuchtigkeits-Mapping unerlässlich ist. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass die Umgebung im Reinraum die erforderliche Temperatur und Luftfeuchtigkeit beibehält. Das Mapping trägt wesentlich zur Etablierung eines robusten und effektiven Umgebungsmonitoring bei.

Was bedeutet GxP?

GxP ist eine Abkürzung für Good ... Practice (Gute ... Praxis), wobei sich das "x" auf unterschiedliche Arbeitsbereiche bezieht. Innerhalb der Pharmaindustrie umfasst GxP eine Reihe von Leitlinien, die sicherstellen, dass pharmazeutische Produkte sicher sind, wenn sie den Verbraucher erreichen. Darüber hinaus bietet GxP einen Mechanismus zum Nachweis der Produktqualität. Diese Leitlinien unterstützen Unternehmen auch bei der Einhaltung von Produktions- und Vertriebsverfahren. In der pharmazeutischen Industrie umfasst GxP die folgenden Arbeitsbereiche: GMP – good manufacturing practice (gute Herstellungspraxis), GDP – good distribution practice (gute Vertriebspraxis), GLP – good laboratory practice (gute Laborpraxis), GAMP – good automated manufacturing practice und GDocP – good documentation practice (gute Dokumentationspraxis).

Warum ein Mapping?

Ziel der Umgebungskontrolle ist es, im gesamten Reinraum einheitliche Umgebungsbedingungen zu schaffen. Eine gleichmässige Verteilung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist jedoch schwierig zu erreichen. Anhand des Grundrisses werden Datenlogger strategisch platziert, um die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im gesamten Raum zu überwachen. Die hierdurch gesammelten Daten werden von einem System verarbeitet, das einen GxP-konformen Mapping-Bericht erstellt. Mit Hilfe das Mapping lassen sich die Standorte bestimmen, an denen Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen am wahrscheinlichsten sind. Hier werden später idealerweise die Sensoren platziert.

Mapping Kits - die einfache Art ein Mapping durchzuführen

Schnell und einfach: Mapping Kits oder Mapping Dienstleistungen für Ihren Reinraum.

Mehr erfahren
Mapping Kits - die einfache Art ein Mapping durchzuführen

Wie Sie ein Mapping erstellen

Im ersten Schritt werden Datenlogger für Temperatur und Feuchtigkeit in gleichmässigen Abständen in der gesamten Räumlichkeit installiert. Diese Logger sollten bis zu 14 Tage lang Daten sammeln. Danach können Sie die Daten für eine Analyse herunterladen. Der Mapping-Bericht wird kalte und besonders warme Stellen im Raum aufzeigen. Diese Bereiche bilden die perfekten Positionen für die Platzierung der Sensoren, mit denen Sie die geringste Abweichung feststellen können.

Do-It-Yourself - 7 Tipps für ein GxP-konformes Temperatur-Mapping

Erfahren Sie hier, wie Sie ein Mapping-Kit für die GxP-konforme Impfstofflagerung anwenden können.

Erfahren Sie mehr
Do-It-Yourself - 7 Tipps für ein GxP-konformes Temperatur-Mapping

Schlussfolgerung

Die Planung eines Reinraums umfasst die Validierung der baulichen Gegebenheiten und der Geräte und Anlagen, noch bevor die Funktions- und die Leistungsqualifikation ins Spiel kommen. Erschwert die Konstruktion des Raums die Einhaltung der Vorschriften, wird es kostspielig, korrigierende bauliche Änderungen vorzunehmen. Daher sollte die Planung die Einhaltung aller Vorschriften, die Betriebsverfahren und Mapping-Techniken für die besten Monitoring-Protokolle berücksichtigen.